Studieren ohne Matura in der Schweiz: Wege zum Studium für Erwachsene

In der Schweiz braucht es 2026 nicht zwingend die Matura, um ein Studium zu beginnen. Ob Passerellen, Berufsprüfung oder sur Dossier – zahlreiche Wege stehen Erwachsenen offen, sich ihren Traum vom Hochschulabschluss auch ohne klassischen Maturitätsabschluss zu erfüllen. Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten!

Studieren ohne Matura in der Schweiz: Wege zum Studium für Erwachsene Image by Gerd Altmann from Pixabay

Die klassische Vorstellung vom Studium setzt in der Schweiz meist die Matura voraus. Doch immer mehr Menschen entscheiden sich später im Leben für eine akademische Ausbildung – sei es aus beruflichen Gründen, zur persönlichen Weiterentwicklung oder aufgrund veränderter Lebensumstände. Für diese Zielgruppe haben Schweizer Hochschulen verschiedene Zugangswege geschaffen, die ein Studium auch ohne gymnasiale Maturität ermöglichen. Diese Wege erfordern zwar Engagement und Vorbereitung, eröffnen aber realistische Perspektiven für motivierte Erwachsene.

Passerellen- und Ergänzungsprüfungen in der Schweiz

Eine etablierte Möglichkeit zum Hochschulzugang ohne Matura sind die sogenannten Passerellen- und Ergänzungsprüfungen. Die Passerellenprüfung richtet sich primär an Personen mit Berufsmaturität oder Fachmaturität, die Zugang zu universitären Hochschulen anstreben. Sie umfasst Prüfungen in Fächern wie Mathematik, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Sprachen. Die Vorbereitung dauert in der Regel ein bis zwei Jahre und kann berufsbegleitend oder in Vollzeit absolviert werden.

Ergänzungsprüfungen hingegen richten sich an Personen ohne Maturität, die über andere Bildungsabschlüsse oder umfassende Berufserfahrung verfügen. Die Schweizerische Maturitätskommission organisiert diese Prüfungen, die den Zugang zu allen Schweizer Universitäten ermöglichen. Die Anforderungen sind anspruchsvoll und umfassen ein breites Fächerspektrum. Beide Prüfungsformen erfordern strukturierte Vorbereitung und Selbstdisziplin, bieten aber einen klar definierten Weg zur Hochschulreife.

Studium sur Dossier: Chancen für berufserfahrene Erwachsene

Viele Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen in der Schweiz bieten das Aufnahmeverfahren sur Dossier an. Dieses Verfahren richtet sich gezielt an Personen über 30 Jahre mit mehrjähriger qualifizierter Berufserfahrung. Statt formaler Bildungsabschlüsse zählen hier die praktischen Kompetenzen, die berufliche Laufbahn und die Motivation der Bewerbenden.

Das Verfahren beginnt mit der Einreichung eines umfassenden Dossiers, das Lebensläufe, Arbeitszeugnisse, Weiterbildungsnachweise und ein Motivationsschreiben umfasst. Anschliessend folgen meist Eignungstests, Aufnahmegespräche oder Assessments, die fachliche und persönliche Eignung prüfen. Jede Hochschule gestaltet das Verfahren individuell, weshalb eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Zieleinrichtung empfehlenswert ist. Das Studium sur Dossier ermöglicht insbesondere Berufsleuten einen direkten Einstieg ohne zeitaufwendige Vorbereitungskurse.

Vorbereitungskurse und Bildungsberater im Überblick

Die Vorbereitung auf Passerellen- oder Ergänzungsprüfungen erfordert fundierte Kenntnisse in verschiedenen Fachgebieten. Zahlreiche Institutionen in der Schweiz bieten spezialisierte Vorbereitungskurse an. Dazu gehören kantonale Gymnasien, private Bildungsinstitute und Fernschulen. Die Kurse unterscheiden sich in Dauer, Intensität und Kosten – von Vollzeitprogrammen über mehrere Monate bis zu berufsbegleitenden Abendkursen über ein bis zwei Jahre.

Bildungsberater spielen eine wichtige Rolle bei der Orientierung. Sie helfen bei der Wahl des passenden Wegs, informieren über Zulassungsvoraussetzungen und unterstützen bei der Planung des Bildungsvorhabens. Viele Kantone bieten kostenlose Berufs- und Bildungsberatung an. Auch Hochschulen selbst verfügen über Beratungsstellen, die Interessierte über spezifische Anforderungen und Möglichkeiten informieren. Eine professionelle Beratung kann Zeit sparen und hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln.

Finanzierungsmöglichkeiten für das Studium ohne Matura 2026

Die Finanzierung eines Studiums ohne Matura stellt für viele Erwachsene eine Herausforderung dar. Neben den direkten Studienkosten fallen oft Ausgaben für Vorbereitungskurse, Prüfungsgebühren und Lebenshaltungskosten an. Die Kosten variieren je nach gewähltem Weg und Institution erheblich.


Finanzierungsquelle Anbieter/Institution Beschreibung
Stipendien Kantonale Stipendienstellen Bedarfsabhängige finanzielle Unterstützung für Studierende mit geringem Einkommen
Bildungsdarlehen Kantonale Darlehenskassen Rückzahlbare Darlehen zu günstigen Konditionen für Aus- und Weiterbildung
Arbeitgeberunterstützung Private Unternehmen Teilweise oder vollständige Übernahme von Kurs- und Studiengebühren
Erwachsenenbildungsfonds Gewerkschaften und Berufsverbände Finanzielle Beiträge für Mitglieder in Weiterbildung
Steuerliche Abzüge Kantonale Steuerbehörden Abzugsfähigkeit von Weiterbildungskosten bei der Steuererklärung

Die genannten Finanzierungsmöglichkeiten und Kostenstrukturen basieren auf aktuellen Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Es wird empfohlen, sich vor finanziellen Entscheidungen eigenständig zu informieren.

Viele Kantone bieten Stipendien und Darlehen speziell für Erwachsene in Ausbildung an. Die Voraussetzungen und Höhe der Unterstützung variieren stark zwischen den Kantonen. Auch steuerliche Abzüge für Weiterbildungskosten können die finanzielle Belastung mindern. Manche Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeitenden bei berufsrelevanten Weiterbildungen finanziell oder durch Freistellungen. Eine sorgfältige Planung und frühzeitige Abklärung aller Optionen ist entscheidend.

Beispiele inspirierender Bildungswege aus allen Landesteilen

Die Schweiz kennt zahlreiche Erfolgsgeschichten von Menschen, die ohne Matura den Weg an die Hochschule gefunden haben. In der Deutschschweiz haben beispielsweise Berufsleute aus technischen Berufen über die Passerellenprüfung ein Ingenieurstudium begonnen. In der Romandie nutzen viele Erwachsene das Aufnahmeverfahren sur Dossier an Fachhochschulen für Sozialarbeit oder Wirtschaft. Im Tessin ermöglichen flexible Teilzeitstudiengänge Berufstätigen den Zugang zu akademischer Bildung.

Diese Beispiele zeigen: Der Weg zum Studium ohne Matura erfordert Durchhaltevermögen, ist aber in allen Landesteilen realisierbar. Entscheidend sind klare Ziele, realistische Planung und die Bereitschaft, Zeit und Energie zu investieren. Viele Absolventinnen und Absolventen berichten, dass gerade die Kombination aus Lebenserfahrung und akademischer Bildung ihnen besondere Perspektiven eröffnet hat.

Die Schweizer Hochschullandschaft bietet somit vielfältige Möglichkeiten für Menschen, die ihren Bildungsweg später im Leben fortsetzen möchten. Ob über formale Prüfungen oder individuelle Aufnahmeverfahren – motivierte Erwachsene finden heute realistische Zugangswege zum Studium, die ihrer Lebenssituation entsprechen.